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Die Schulbibliothek als Keimzelle für Informations- und Medienkompetenz

24.05.2012
gut besuchte Vortragsreihe zum Thema Bildungspartnerschaft

Vortrag zum Freiburger Schulbibliotheksnetz

© schulmediothek.de / A.M.

Über 150 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich am 23. Mai 2012 im Saal 4 des Congress Centrums Hamburg eingefunden, um zu erfahren, warum Schulen starke Partner brauchen und wie sich speziell die Bibliotheken für die Schule stark machen können. Die Kommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes hatte die Vortragsreihe vorbereitet, und ihre Vorsitzende Birgit Lücke (Warendorf) sorgte als Moderatorin dafür, dass der rote Faden nicht verloren ging.

In seinem einleitenden Vortrag stellte Rudolf Kammerl (Hamburg) die Schule als ein gallisches Dorf dar, das in einem vordigitalen „Naturzustand“ verharre und sich bislang recht erfolgreich gegen den Ansturm der Neuen Medien zur Wehr setze. Fehlende verbindliche Standards für Informations- und Medienkompetenz in den Länder-Curricula, ihre weitgehende Abwesenheit in der Lehrerausbildung sowie Mängel in der Rechnerausstattung und beim Internetzugang seien wesentliche Hindernisse für den eigentlich dringenden Wandel. Die moderne Schulbibliothek könne vor allem helfen, die vorhandenen Barrieren in den Köpfen zu überwinden, indem sie die Brücke zwischen Printmedien und digitalen Medien schlägt.

Aber kaum eine Schule schafft es aus eigener Kraft, eine entsprechend gut ausgestattete Schulbibliothek einzurichten und dauerhaft zu betreuen. Hier ist das Engagement der Öffentlichen Bibliothek als starker Partner unabdingbar. Wie dieses Engagement aussehen kann, zeigen zwei verschiedene Modelle aus Baden-Württemberg und Hamburg, die in den Folgevorträgen auf dem Hamburger Bibliothekartag vorgestellt wurden.

Das von Kathrin Buck (Freiburg) erläuterte Freiburger Schulbibliotheksnetz hat sich aus einer Projektidee zu einem Komplettprogramm entwickelt. Ausgangspunkt war die „Bibliothek der Kulturen“ als ein Abrufangebot fremdsprachiger Literatur für Schülerinnen und Schüler mit einer anderen Herkunftssprache als Deutsch. Daraus entwickelte sich in Verhandlungen zwischen dem Amt für Schule und Bildung und der Stadtbibliothek Freiburg 2009 ein Gesamtkonzept der bibliothekarischen Versorgung für alle Grundschulen der Stadt, das inzwischen bereits 14 von 30 Grundschulen erreicht und auch anderen Schulformen offensteht. Die Einrichtung einer Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle in diesem Jahr soll dazu beitragen, dass das Freiburger Schulbibliotheksnetz weiterhin wächst und gedeiht.

Das Hamburger Schulbibliotheksprojekt war dagegen von vornherein relativ breit aufgestellt, wie Claudia Rohrßen, Annemarie Schön und Franziska Thode (Hamburg) berichteten. Neun Projektschulen aus drei verschiedenen Schulformen in bildungsfernen Stadtregionen wurden in Absprache mit den Schulen von der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Bücherhallen Hamburg umfassend beraten und versorgt. Die Schwerpunkte waren das Raumkonzept, der Medienbestand, das EDV-System, die Fortbildung und die Praxisbegleitung. Eine Schlüsselrolle kam den bibliothekarischen Fachkräften zu, die die Schulbibliotheken vor Ort betreuten. Dabei entwickelten die zumeist jungen Bibliotheksmitarbeiterinnen und –mitarbeiter viele Ideen und viel Eigeninitiative. In einer Grundschule war die Schulbibliothek zum Beispiel Impulsgeber für Schülerzeitung und Buchklub, und in einem Gymnasium gelang es, in Absprache mit dem Lehrerkollegium mehrere Module der Arbeit mit der Bibliothek fest in den Schullehrplan der Jahrgänge 5, 6, 10 und 11 einzubinden. Aber es dauerte doch eine Weile, bis die Bibliotheksbetreuer Zugang zu den Lehrkräften und ihrer Denkweise gefunden hatten.

Umso wichtiger sei es, eine gemeinsame Sprache von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren einerseits und Lehrkräften andererseits zu finden, betonte Andreas Klingenberg bei seinem abschließenden Vortrag zum Referenzrahmen Informationskompetenz. Das Modell mit den vier Teilkompetenzen Suchen, Prüfen, Wissen und Darstellen, den jeweils vier Teilschritten oder Kriterien innerhalb der Teilkompetenzen sowie den Niveaustufen A 1 bis C 2 schaffe dafür eine Grundlage. Dieser Referenzrahmen ist inzwischen mehrfach bei Fortbildungsveranstaltungen für Bibliothekare und Lehrkräfte vorgestellt worden und dabei auf große Resonanz und auch auf punktuelle Kritik gestoßen. Im westfälischen Warendorf läuft, wie Klingenberg berichtete, jetzt in Zusammenarbeit mit der dortigen Stadtbibliothek eine Erprobung des Referenzrahmens in der Schule an.

Die Vorträge zeigten nicht nur, dass Schulen starke Partner brauchen, um Schulbibliotheken aufzubauen und zu nutzen. Sie zeigten auch, dass Erfahrungen und Konzepte vorliegen, um diese Partnerschaft unter den jeweiligen örtlichen Bedingungen erfolgreich umzusetzen.



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