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Eltern-Kind-Abend

Beim Eltern-Kind-Abend treffen sich Eltern und Kinder aller Nationen zu einem intimen Leseerlebnis in vielen Sprachen in der Schulbibliothek, erfahren Lesefreude und Mütter und Väter dazu noch allerhand Theoretisches über ihre zentrale Bedeutung als Lesevorbilder. Für ihre Aktion „Eltern-Kind-Abend: Schenk mir Geschichten“ wurde die Stadtbücherei Frankfurt am Main in Köln mit dem Deutschen Vorlesepreis 2011 in der Kategorie „Förderpreis für Integration“ ausgezeichnet.

Eine Frankfurter Besonderheit ist die Multikulturalität der Stadt. In Frankfurt hat jedes zweite Kinder einen mehrsprachigen Hintergrund, die am häufigsten festgestellte Entwicklungsstörung betrifft Sprachauffälligkeiten. Hier sind die Bibliotheken gefordert: Vorlesen ist und bleibt dabei eine Säule der Bibliothekspädagogik.

 

Integration

Der (Vor)Lesetag transportiert das Lesen aus dem schulischen Bereich in den familiären Rahmen. Über die Einbindung in den schulischen Kontext erreicht der Eltern-Kind-Abend auch Kinder und Eltern aus buchfernen Haushalten. Das Lesen wird als familiäres Erlebnis positioniert, die Eltern werden für die Bedeutung des Vorlesens als familiäres Ritual sensibilisiert. Dabei spricht die Aktion auch ganz bewusst Väter an, als männliches Vorbild für ihr Kind im Leseprozess aktiv zu werden.

 

Der Leseabend

Die Aktion „Eltern-Kind-Abend: Schenk mir Geschichten“ basiert auf einer engen Kooperation zwischen Schule und Schulbibliothek. Die aktive Einbindung des Elternhauses ist zentraler Bestandteil der Aktion. Während bei den Zweitklässern der Lesespaß im Vordergrund steht, soll den Eltern die Bedeutung der Kulturtechnik Lesen und ihre eigene Rolle als Lesevorbild nahe gebracht werden. Der Eltern-Kind-Abend nutzt das Vorlesen bewusst als Element der Integration. Hier treffen Kinder und ihre Eltern aus verschiedensten Nationalitäten zusammen, um ein gemeinsames Erlebnis zu gestalten. Der Vorleseakt findet in der persönlichen Situation zwischen Elternteil und Kind statt, so dass sich auch Kinder und Eltern mit geringen Deutsch- oder Vorlesekompetenzen sicher fühlen können. Die anschließenden getrennten Aktivitäten in Schüler- und Elterngruppen macht deutlich, dass den beiden Zielgruppen unterschiedliche Botschaften vermittelt werden: Kinder sollen Spaß am Lesen entdecken, Eltern für die Bedeutung des Lesens und den Medienkonsum ihrer Kinder sensibilisiert werden.

 

Kooperationspartner Schule

Die Aktion zur Leseförderung wurde ganz bewusst in einer Schule initiiert, die einen hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (über 80%) aufweist. Über die Schule werden auch die Eltern erreicht, die keine Affinität zum Buch und dem (Vor-)Lesen entwickelt haben. Die Bibliotheksbesichtigung, bei der die Kinder ihren Eltern die Schulbibliothek zeigen, emotionalisiert die „Bildungseinrichtung“, das anschließende Lesen zeigt, dass Bibliotheken auch Orte des persönlichen Erlebens und der individuellen Entwicklung sind. Die Leseförderaktion integriert somit nicht nur die Kinder, sondern spricht auch ihre Eltern an, die wenig bis kaum Deutschkenntnisse haben. Sie werden ermutigt, sich stärker in den Lese- und somit Lernprozess ihrer Kinder einzubringen.

 

Fazit

Wenn Kinder und Eltern sich „Geschichten und Aufmerksamkeit schenken“ dann weben sie immer auch an ihrer gemeinsamen Geschichte. Denn: Im Schenken zeigen wir dem anderen unsere Wertschätzung und unterstreichen unsere Bindung. Nach Georg Simmel ist dieses Nehmen und Geben ein soziales Netz, das unsere Gesellschaft zusammenhält.