Schulmediothek - Das Fachportal für Schulmediotheken

Navi

Personal

Die personelle Betreuung der Schulbibliotheken ist und bleibt eine offene Frage. Obwohl es ein Berufsbild für Schulbibliothekare gibt, (Berufsbild der Dipl.Bibliothekarin, des Dipl. Bibliothekars an Öffentlichen Bibliotheken. Hrsg. vom Verein der Bibliothekare. Reutlingen 1986) das die Tätigkeitsfelder und Aufgaben umfassend beschreibt, ist nach wie vor im öffentlichen Bereich die Zuständigkeit für die Schaffung neuer Stellen nicht geklärt. Es kommen daher z. Zt. weiterhin nur Teillösungen infrage. Ohne Zweifel ist eine Schulmediothek am handlungsfähigsten, wenn sie von einem/er hauptberuflichen Schulbibliothekar/in geleitet wird, denn die spezifischen schulbibliothekarischen Tätigkeitsmerkmale haben im Rahmen des bibliothekarischen Berufsspektrums ein eigenes Gewicht. Die Schaffung hauptamtlicher Schulbibliothekarsstellen scheitert nicht nur an der fehlenden Zuständigkeit, sondern mehr noch an der Uneinsichtigkeit der kommunalen und staatlichen Schulträger über die Notwendigkeit einer sachgemäßen Leitung von Schulbibliotheken. Die Unterhaltsträger von Privatschulen - zumeist in kirchlicher Trägerschaft - zeigen hier eine weitaus größere Flexibilität und ein größeres Verantwortungsbewusstsein.

Unabhängig vom Arbeitgeber ist die Bezahlung respektive Eingruppierung des/r Schulbibliothekars/in im Angestelltenverhältnis zu sehen. Sofern die Bibliothek ausschließlich von Lehrern geleitet wird, stellt sich die Frage der Anrechnung von Tätigkeiten in der Schulbibliothek (Einsatz von Lehrern). Eine andere Frage ist, wie die Kompetenzen zwischen der bibliothekarischen Bibliotheksleitung und dem Verbindungslehrer, der für die pädagogisch-didaktischen Belange der Schulmediothek zuständig ist, in gegenseitigem Einvernehmen festzulegen sind. In diesen Fällen ist eine genaue Arbeitsplatzbeschreibung mit der Festlegung der jeweiligen Aufgaben und Kompetenzen unabdingbar. Beim Fehlen einer Planstelle bleibt als Alternative nur das Bemühen, die personelle Betreuung der Schulbibliothek mit verschiedenen Einzelmaßnahmen in den Griff zu bekommen. Eine Möglichkeit ist, dass im Rahmen der Budgetierung im Personalhaushalt resp. Sachetat Mittel bereitgestellt werden, die es erlauben, Minijobverträge einschließlich Ein-Euro-Jobverträge oder auch Werkverträge abzuschließen, um auf diesem Wege Personal bzw. Hilfskräfte einstellen zu können. Solche Werkverträge müssen jedoch vor Ort personalrechtlich abgestimmt werden und stellen in keinem Fall eine Dauerlösung für die fachliche Betreuung der Schulbibliothek dar. Eine weitere Möglichkeit ist die Beteiligung von Verwaltungskräften, die zu einem bestimmten Stellenanteil für die Arbeit in der Bibliothek verpflichtet werden. Der Einsatz von zusätzlichen ehrenamtlichen Kräften wird auch in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wobei allerdings auf eine bibliothekarische Grundausbildung zu achten ist.

Außerdem existieren erfolgreiche Modelle bei denen in regelmäßigem Turnus von der zuständigen Stadtbibliothek,zumeist durch die dortige Schulbibliothekarische Arbeitsstelle, eine Bibliothekarin die fachspezifischen Aufgaben in der zu betreuenden Schulbibliothek wahrnimmt.

Tätigkeitsmerkmale

Die Tätigkeitsmerkmale sind schwerpunktmäßig bibliothekarischer Natur. Dabei spielen der Bestandsaufbau und die Bestandserschließung eine vorrangige Rolle. Hinzu kommen Beratung und Vermittlung. Weitere Schwerpunkte sind neben der Hilfestellung bei der Medienerziehung die Veranstaltungs- und Ausstellungstätigkeit, die Öffentlichkeitsarbeit und die Verwaltungstätigkeit. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört, die Integration der Schulbibliothek in den Unterrichtsprozess. Hier handelt es sich in erster Hinsicht um eine pädagogisch-didaktische Aufgabe, die Einfühlungsvermögen in lerndidaktische Prozesse voraussetzt. Da Schulbibliothekare in den seltensten Fällen sowohl eine pädagogische als auch eine bibliothekarische Ausbildung haben (wie in den angelsächsischen Ländern üblich), muss als "Ersatzlösung" die enge Kooperation von Lehrern und Bibliothekaren angestrebt werden. "Enge Kooperation" heißt, die Fähigkeit entwickeln, die Fachsprache und die beruflichen Voraussetzungen des Partners zu verstehen, damit die Zielsetzung - Mitgestaltung des Unterrichtsprozess - im besten Sinne erreicht werden kann.

Bezahlung resp. Eingruppierung

Diplom-Bibliothekare sind im öffentlichen Anstellungsverhältnis in der Eingangsstufe nach TVÖD, Entgeltgruppe 9 zu bezahlen. Bei einer Anstellung im Privatschul- bzw. kirchlichen Bereich kann von einer vergleichbaren Bezahlung ausgegangen werden. Die jährlichen Einkommensanpassungen sind mit zu berücksichtigen. Rechtsansprüche auf tarifgemäße Bezahlung können nur im öffentlichen Dienst geltend gemacht werden, nicht im privaten, und nur bedingt im kirchlichen Schulbereich. Voraussetzung für eine tarifgerechte Bezahlung ist die Wahrnehmung bibliothekarischer Tätigkeiten, andernfalls ist eine niedrigere Eingruppierung zulässig. Halbtagsstellen sind auch im öffentlichen Bereich durchaus denkbar und üblich, wobei eine Stellenhalbierung entweder mit der gleichen Stelle oder aber mit einer anderen im Stellenplan vorhandenen Stelle möglich ist.

Minijobverträge und Werkverträge

Minijobverträge sind nach den z. Zt. geltenden Bestimmungen bis 400,- Euro mtl. möglich. Voraussetzung ist das Vorhandensein einer bestehenden sozialen Grundversicherung da die Beträge für beide Teile sozialversicherungsfrei sind. Allerdings trägt der Arbeitgeber die zu zahlenden Steuern. Der Arbeitnehmer ist steuerfrei. Studentische Hilfskräfte sind lediglich rentenversicherungspflichtig.

Die Mittel laufen über den Personaletat. Bei Vollbudgetierung können durch die "Gegenseitige Deckungsfähigkeit" (GD) auch andere Haushaltsstellen herangezogen werden. Allerdings müssen für alle auf Stundenbasis abgewickelten Verträge die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen dafür vorher geschaffen werden, da Mittel aus dem Personaletat zunächst nur für feste Planstellen vorgesehen sind. Zu empfehlen ist, das Verfügungsrecht über diese Mittel an die Schulleitung bzw. das Schulamt zu übertragen.

Mit Hilfe von Werkverträgen können innerhalb eines vorgesehenen Zeitrahmens Vorhaben wie Reorganisation des Bestandes, Erfassen der Bestände in einem EDV-Programm, Verschlagwortung des Bestandes, Durchführung eines größeren außerschulischen Projektes u.a. durchgeführt werden. Dabei wird unabhängig von der tatsächlich aufgebrachten Zeit eine Gesamtsumme vereinbart. Die dafür notwendigen Mittel können von einem Förderverein, durch eine Spendenaktion oder durch den regulären Haushalt der Schule aufgebracht werden, sofern im Sachmitteletat (!) im Rahmen der Budgetierung frei verfügbare Mittel eingeplant sind. Da nach wie vor viele Schulbibliotheken vor dem Problem der Reorganisation bzw. dem Erfassen der Bestände in ein EDV-Programm stehen, ist die Abwicklung dieser Arbeiten mit Hilfe von Werkverträgen eine in jeder Hinsicht anzustrebende Form der - wenn auch nur vorübergehenden - Personalbeschaffung.

Einsatz von Lehrern

 

Im Folgenden werden Anrechnungsmöglichkeiten für die Tätigkeit in Schulbibliotheken aufgeführt. Diese sind in den einzelnen Bundesländern nicht einheitlich geregelt. Deshalb können hier nur Anregungen gegeben werden.

  • Allgemeines Entlastungskontingent (Stundenpool)
    Für besondere dienstliche Belastungen, stehen den Schulen sog. "Entlastungsstunden" zur Verfügung, die sich in der Regel nach der Lehrerstellenzahl richten und von der Lehrerkonferenz verteilt werden.
  • Funktionsstunden nach Beförderungen
    Beförderungen werden im allgemeinen an bestimmte zusätzliche Verantwortungsbereiche gebunden. Lehrerrat und Schulleitung können darauf hinwirken, dass eine Schulbibliothek dabei berücksichtigt wird.
  • Anrechnungsstunden für Aufsichten
    Die Beaufsichtigung von Schülern während der Pausen oder anderer Aufenthaltszeiten gehört zur dienstlichen Pflicht der Lehrer. Es ist möglich, Aufsichten in der Schulbibliothek in das Zeitdeputat, das jeder zu erfüllen hat, einzubeziehen.
  • Schulverwaltungsaufgaben
    Jeder Schule stehen für Verwaltungszwecke Lehrerwochenstunden zur Verfügung. Bei geschickter Aufteilung ist denkbar, in diese Zwecke auch die Schulbibliothek einzubeziehen.
  • Nutzung des "Bandbreitenmodells"
    In einigen Bundesländern gibt es die Möglichkeit, die unterschiedlichen dienstlichen Belastungen der Kollegen durch Auf- oder Abschläge im Lehrerstundenquantum auszugleichen. Wie beispielsweise die Betreuung naturwissenschaftlicher Räume kann auch die Leitung einer Schulbibliothek zu den anrechenbaren Zusatztätigkeiten rechnen.
  • Ganztagsaufschläge
    Sofern die Schulbibliothek in ein Ganztags-Programm einbezogen wird, werden hierfür Lehrerstunden angerechnet.
  • Modellversuch "Selbständige Schule"
    Schulen, die an einem solchen Modellversuch teilnehmen, verfügen hinsichtlich der pädagogischen Schwerpunkte und der personellen Zuordnung über größere Gestaltungsfreiheit.

Ehrenamtliche Kräfte

Zunehmend an Bedeutung gewinnt für die Schulbibliotheksarbeit das ehrenamtliche Engagement. Zur Werbung ehrenamtlicher Kräfte ist die Entwicklung eines Flyers empfehlenswert, der die einzelnen Anforderungen erläutert und auf Ansprechpartner hinweist. Die Werbung von Ehrenamtlichen kann etwa bei Tagen der offenen Tür oder bei Elternabenden erfolgen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat und dem Förderverein der Schule sowie mit örtlichen Freiwilligen-/Senioreninitiativen kann erfolgreich sein. Es wird empfohlen, den Interessenten bei mindestens drei Hospitationsterminen die Möglichkeit zu bieten, die Aufgaben in der Schulbibliothek näher kennen zu lernen und sich auf dieser Erfahrungsgrundlage für oder gegen eine Mitarbeit zu entscheiden. Ziel ist das qualifizierte Ehrenamt, das eine gründliche Einarbeitung voraussetzt. Diese sollte neben der Einführung in die Ausleihe und die Verwaltungstätigkeiten der Bibliothek sowie in die Auskunfts- und Recherchemöglichkeiten auch das vertrauensvolle Gespräch und den Umgang mit Schülern mit einbeziehen.

Weiterführende Qualifizierungsangebote sind empfehlenswert und sinnvoll. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit den Schulbibliotheksverantwortlichen ist einzuplanen. Die von den Ehrenamtlichen gewonnenen Erfahrungen sind auf jeden Fall in die gemeinsame Arbeit mit einzubeziehen.