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Kriterien für den Bereich Jugendsachbücher

Unterrichts- und lerndidaktische Überlegungen zum Bestandsaufbau

Beim Bestandsaufbau ist darauf zu achten, dass vorrangig Medien und zwar sowohl Print wie audiovisuelle und digitale Medien  in den Bestand aufgenommen werden, deren Inhalt der Art des Mediums entspricht. Und des Weiteren ist zu fragen, bei welcher Unterrichtsmethode das Medium am geeignesten eingesetzt werden kann. Medium Inhalt und Unterrichtsmethode stehen in jedem Unterrichtsprozess in einem engen, wechselseitigen Bezugsrahmen. Medium ist also nicht gleich Medium. Mit anderen Worten: Beim Bestandsaufbau ist zu fragen, ob

  1. der Inhalt einen adäquaten Transporteur (Print, Folie, Bild, Video, Datei) gefunden hat - und ob und wie
  2. Inhalt und Transporteur in der richtigen Weise unterrichtsmethodisch eingesetzt werden können. Dabei ist zu unterscheiden zwischen formaler Unterrichtsmethode (Klassengespräch, Gruppenunterricht, Einzellernen) und den methodisch-didaktisch durchgestylten Unterrichts- und Lernformen wie Lehrervortrag, Schülervortrag, Learning by doing, Entdeckendes Lernen, Exemplarisches Lernen.

Wie sollte nun so ein didaktisch aufbereitetes Jugendsachbuch für die Sek.1 aussehen? Vorauszuschicken ist, dass das didaktisch aufbereitete Sachbuch keine Erfindung der Neuzeit ist, vielmehr muss Comenius (1592-1670) mit seinem Orbis pictus dafür angesehen werden. Dem Buch, wie auch andere von ihm verfasste Bücher, lag die Überzeugung zugrunde, dass die Unterrichtsmethode dem Lernprozess, der einen spielerischen Aspekt haben muss, angepasst werden soll und dass das Lernmedium dem zu entsprechen hat.

Comenius hatte im 17. und 18. Jh. etliche Nachfolger, was sich, verquickt mit der alten Fragemethode: warum, wieso, weshalb in den damals erschienenen Jugendsachbüchern gut zeigen lässt.

So gesehen sind die Was ist Was  Bücher aus dem Tessloff-Verlag mit ihren in Frageform formulierten Überschriften späte Erben einer seit jeher bewährten Lernmethode.

Trotz ihres Alters ist diese Buchreihe im Unterrichtsprozess weiterhin gut einsetzbar. Durch die inhaltliche und durchaus auch grafische Gestaltung sind diese Bände eine Orientierungshilfe beim Bestandsaufbau, da sie textlich weitgehend verlässlich informativ sind und der Bildteil nicht dominiert, sondern lediglich eine ergänzende und unterstützende Funktion hat. Die Bücher sind, je nach Thema, besonders für den Gruppenunterricht geeignet, da in diesem Fall das Lernziel: rasches inhaltliches Erfassen eines knapp verfassten Textes i.d.R. keine Verständnisprobleme aufwirft. Verbunden mit den als Fragetyp formulierten Überschriften sind Formen des Entdeckenden Lernens denkbar.

Für das Entdeckende Lernen ist ein ausgewogener Text-Bild-Bezug wichtig. Das Bild muss eine ergänzende, besser noch eine gesteigerte Informationsfunktion haben, was Widersprüche und Ungenauigkeiten ausschließt. Das Bild soll den Text nicht beherrschen, vielmehr begleitend unterstützen. Dabei kann es dem Textmuster: Gesamtaussage mit Untergliederung von Teilaussagen durchaus folgen, sehr gut gelöst in der Reihe So lebten sie zur Zeit der (Tessloff Verl.) Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die inhaltliche und sprachliche Gestaltung des Textes und zwar jeweils bezogen auf die entsprechende Altersstufe. Als Beispiel wie Texte sich durch stärkere Abstraktion voneinander anheben, obwohl für die gleiche Altersstufe gedacht, sind die Bände der oben genannten Reihe So lebten sie zur Zeit der und der Reihe Geschichte der Menschheit (Union)

Während bei den Tessloff-Büchern das beschreibende Element die Form des Textes bestimmt, ist bei den Bänden aus dem Union-Verlag sowohl was die Wortwahl wie auch was den Abstraktions- und Reflexionsgrad betrifft, dieser wesentlich verstärkt. Falsch eingesetzt, muss eine Anzahl nicht verstandener Begriffe mit Hilfe anderer Nachschlagewerke zunächst geklärt werden, um dem reinen Abschreiben vorzubeugen. Selbst verantwortetes Lernen ist nur dann sinnvoll, wenn die zur Verfügung gestellten Texte eigenständig erfasst und nachvollzogen werden können und nicht  wie häufig zu beobachten  unreflektiert und unverstanden übernommen werden. Das ist immer dann der Fall, wenn beim Bestandsaufbau und der anschließenden Erschließung die Medien unsensibel der falschen Altersgruppe zugeordnet werden.